Kolik beim Pferd

„Kolik" ist keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Sammelbegriff für Schmerzsymptome, deren Ursache meist im Bauchraum liegt.

Diese Kolik-Schmerzen können sehr unterschiedliche Ursachen haben und bei jedem Pferd jederzeit auftreten. Die Symptome treten in milden, aber auch in sehr heftigen Verlaufsformen auf und können unbehandelt schnell lebensbedrohlich werden. Es ist deshalb wichtig, dass die Erkrankung frühzeitig erkannt wird und eine qualifizierte tierärztliche Untersuchung und Behandlung erfolgt.

Symptome

Das Kolikverhalten kann individuell sehr unterschiedlich sein und hängt von der Stärke der Schmerzen ab.

Häufige und typische Symptome sind:

- Scharren

- Umschauen zum Bauch

- Wälzen, besonders häufiges und heftiges Wälzen

- Unter den Bauch treten

- Wiederholtes Hinlegen und Aufstehen - Flehmen

- Schwitzen

- Verweigern des Futteraufnahme

- Hundeartiges Sitzen oder auf dem Rücken liegen

- Schnelle Atmung und geblähte Nüstern

- Erhöhte Pulsfrequenz (mehr als 60/min)

- Fehlende oder reduzierte Darmgeräusche

- Pferd stellt sich hin, als ob es Wasserlassen wollte

- Gerötete Schleimhäute

Aber auch sehr milde Symptome wie eine allgemeine Mattigkeit, reduzierte Futteraufnahme oder ungewohntes Hinlegen am Tag können Hinweis auf eine beginnende Kolikerkrankung sein.

Bei einer schweren Kolik mit Darmeinklemmungen oder Drehungen zeigen die Pferde im Anfangsstadium heftigste Schmerzsymptome mit unkontrollierbarem Hinschmeißen und starkem Schwitzen. Im weiteren Verlauf kann es dann manchmal zu einer scheinbaren, vorübergehenden „Besserung" kommen. Die Pferde wirken zwar etwas ruhiger, trocknen ab, haben aber immer noch eine zu hohe Pulsfrequenz.

In diesem Stadium ist höchste Eile geboten und der sofortige Transport in eine Pferdeklinik notwendig.

Wenn Pferde während einer Kolikerkrankung Kot absetzen, bedeutet das nicht zwingend, dass sie auf dem Wege der Besserung sind.

Selbst schwer kranke Pferde können noch über Stunden meist kleine Mengen Kot absetzen.

Durchfall mit wässriger Kotkonsistenz ist beim Pferd wegen des starken Flüssigkeitsverlustes immer ein lebensbedrohlicher Zustand und erfordert unverzüglich intensive tierärztliche Behandlung!

Ursache der Kolik

Es gibt eine Vielzahl von Ursachen, die eine Kolik auslösen können.

Anatomische Gründe : Durch die anatomischen Besonderheiten des Pferdedarmes kann es sehr leicht zu Darmverlagerungen, Drehungen oder Einklemmungen des Darmes kommen. Diese Formen verlaufen

oft lebensbedrohlich und erfordern meist eine chirurgische Therapie.

Funktionsstörungen des Pferdedarmes kommen sehr häufig vor und bewirken bei reduzierter Peristaltik (Darmlähmung) Aufgasungen (Gaskolik) und Verstopfungen. Bei krankhaft erhöhter Darmbewegung (spastische Kolik) kann es ebenfalls zu starker Koliksymptomatik kommen.

Darmentzündungen verursachen lebensbedrohliche Durchfälle und sind Folge von verschiedenen Stressfaktoren.

Weitere häufige Kolik-Ursachen sind Schäden durch Parasitenbefall („Würmer"), Sandverstopfungen, Magengeschwüre.

Erste Maßnahmen bei einer Kolik

Die Zeit ist ein entscheidender Faktor, ob eine Kolik erfolgreich behandelt werden kann. Bei Verdacht auf Kolik sollte deshalb unverzüglich der Tierarzt benachrichtigt werden. Damit er den Ernst der Lage richtig beurteilen kann, sollten Ihm schon am Telefon die wichtigsten Symptome sowie die Puls - und Atemfrequenzen und die rektal gemessene Körpertemperatur mitgeteilt werden.

Bis zum Eintreffen des Tierarztes sollten folgende Maßnahmen durchgeführt werden:

- Vermeidung jeder Futter- und Wasseraufnahme

- Große, gut eingestreute Box

- Verletzungsgefahr minimieren

Das Pferd darf sich hinlegen und auch wälzen. Bei milden Koliksymptomen kann das Pferd an der Hand geführt werden. Es sollte auf keinen Fall belastet werden.

Wenn sich das Pferd heftig wälzt oder sich unkontrollierbar niederschmeißt (hohe Verletzungsgefahr für Mensch und Pferd!), sollte es in eine dick eingestreute Box oder in eine Reithalle verbracht und die Ankunft des Tierarztes abgewartet werden.

Keine Medikamente verabreichen, ohne dass der Tierarzt dazu aufgefordert hat.

Kot- oder Urinabsatz beobachten. Hilfspersonen organisieren

Transportvorbereitungen treffen

Untersuchungen durch den Tierarzt

Der Tierarzt wird versuchen, Ursache und Schweregrad der Kolik festzustellen. Er benötigt dazu genaue Informationen über Dauer und Art der Koliksymptome, Konsistenz und Häufigkeit des Kotabsatzes, Zeitpunkt der letzten Fütterung und Futterzusammenstellung, etwaige Futterumstellungen, Besonderheiten von Training und Belastung, die medizinische Vorgeschichte mit Impfungen, Entwurmungen, früher aufgetretenen Kolikerkrankungen, etc. sowie bei Stuten und Deckhengsten die züchterische Vorgeschichte mit Deckdatum, Trächtigkeitsstadium, Auffälligkeiten beim Deckakt, etc..

Durch eine sorgfältige klinische Untersuchung wird zunächst die aktuelle Kreislaufsituation überprüft. Neben der Kontrolle der Herz- und Atemfrequenz und der Schleimhäute sowie der Hautspannung wird ggf. über eine Blutuntersuchung (Bestimmung des Hämatokrites und des Gesamteiweißgehaltes) der Flüssigkeitshaushalt des Pferdes überprüft.

Über die rektale Untersuchung erhält der Tierarzt Informationen über Lage, Konsistenz und Füllungszustand (Aufgasung, Verstopfung) der Darmorgane, die im hinteren Drittel der Bauchhöhle liegen.

Das Einbringen der Nasenschlundsonde in den Magen wird durchgeführt, um den Füllungszustand des Magens zu überprüfen und ihn ggf. zu entleeren (Magenspülung).

Wenn aufgrund eines Passagehindernisses Dünndarminhalt oder Gas zurück in den Magen gedrückt wird (sog. Reflux), muss dieser über die Nasenschlundsonde „abgehebert" werden, da es ansonsten zu einer tödlich verlaufenden Magenruptur (der Magen platzt) kommen kann.

Weitere spezielle Untersuchungen sind die Bauchhöhlenpunktion zur Überprüfung der Bauchhöhlenflüssigkeit, die Ultraschall- und Röntgenuntersuchung der Bauchhöhle, welche besonders beim Fohlen Anwendung findet.

Behandlung

Der Tierarzt trifft nach seiner Untersuchung die Entscheidung, ob die Kolik konservativ mit Medikamenten) oder chirurgisch behandelt werden muss. Die Entscheidung für die Einweisung in eine entsprechende Klinik kann unter Umständen auch erst im weiteren Verlauf der Erkrankung getroffen werden, wenn sich die Symptome trotz medikamenteller Behandlung nicht verbessern. Durch Injektion von krampflösenden und schmerzstillenden Medikamenten gelingt es in den meisten Fällen, dem Pferd zu helfen.

Infusionen dienen dem Flüssigkeitsersatz und damit der Kreislaufstabilisierung. Abführmittel (Glaubersalz) und Paraffinöl werden bei Verstopfungskoliken über die Nasenschlundsonde eingegeben.

Der Patient sollte in den folgenden 12 bis 24 Stunden sorgfältig überwacht werden, um bei Verschlechterung sofort reagieren zu können.

Bei einer notwendigen Klinikeinweisung ist keine weitere Zeit zu verlieren. Treten nach einer Behandlung bei nicht eindeutiger Diagnose erneut Kolikschmerzen auf, so ist der Transport in eine Klinik dringend zu empfehlen.

Ein entscheidender Faktor für eine erfolgreiche Kolik-Chirurgie ist die rechtzeitige Einlieferung!

Über die Risiken, Kosten und die Prognose einer Kolik-Operation wird der Tierarzt in der Klinik individuell aufklären und beraten.

Vorbeugende Maßnahmen

Obwohl nicht jede Kolik vermeidbar ist, kann die richtige Haltung und das optimale Management in der Prävention von Kolikerkrankungen helfen:

- Art- und leistungsgerechte Futtermittel von guter Qualität

- Ausreichend Raufutter und Wasser anbieten, zuerst Raufutter, dann nach frühestens zehn Minuten Kraft-/Krippenfutter anbieten.

- Geregelter Tagesablauf betreffend Fütterung und Training

- Tagesration in mind. drei Rationen aufteilen

- Tägliche Bewegung

- Regelmäßige Parasitenbekämpfung mit Erfolgskontrolle durch Kotprobenuntersuchungen

- Fütterungsumstellungen langsam durchführen

  • Aufnahme von Sand vermeiden
  • Stress vermeiden